Der Phönix aus der Asche – Wie SAP sich neu erfindet

Home > IT  > Innovation  > Der Phönix aus der Asche – Wie SAP sich neu erfindet

Als einer der größten Softwarehersteller weltweit scheint sich SAP derzeit neu zu erfinden. Mit einem Rekordergebnis im vergangenen Jahr sollen alle Bereiche des Unternehmens weiter kräftig wachsen und jedes Detail besser vernetzt werden. Damit setzen sie sich vom der Abwärtstrend der Konkurrenten ab. Die Auftragsflaute, unter der die Software AG und Dauer-Rivale Oracle leiden, geht bisher an der SAP vorbei.

Als Co-Chef prägt Bill McDermott das Unternehmen auf seine Weise. Als Vertriebsmann wie er im Buche steht, legt er seinen Fokus auf Vertrieb und Vermarktung – mit dem Kunden als wichtigstem Element.

Ein Grundsatz von SAP war lange Zeit, keine Großübernahmen zu tätigen. Die Walldorfer haben es über Jahre geschafft, im Stammgeschäft Unternehmenssoftware selbst Neuentwicklungen zustande zu bringen und somit auch längere Schwächeperioden überstanden. Jeder Zukauf von Wettbewerbern wurde mit einem Lächeln quittiert, scheinbar hatten es die eigenen Entwickler nicht geschafft.

SAP musste aber feststellen, dass es bei Innovation in neuen Märkten ebenfalls an Grenzen stieß, die das unternehmerische Bewusstsein veränderten, sodass Zukäufe getätigt wurden, die mittlerweile als Standbeine von SAP gesehen werden können.

Der dänische Co-Chef Jim Snabe macht fünf Felder aus, in denen SAP vorn sein will. Nur das erste, das angestammte Geschäft Anwendungen, hat bei der SAP schon vor mehreren Jahren bestanden. Der Rest ist neu. Als die Walldorfer mit der eigenen Analyse-Software nicht zufrieden waren, kauften sie die französische Business Objects: der erste Milliardenzukauf des Unternehmens. Nun ist es gut integriert und das zweite Standbein. Auch das dritte Feld Programme für mobile Geräte wie Blackberry und iPhone kaufte sich SAP herbei, es war die kalifornische Sybase. In diesen drei Bereichen sieht Snabe SAP bereits als Marktführer.

In zwei weiteren Feldern will SAP noch Marktführer werden. Das eine Zukunftsfeld Cloud hat sich SAP hinzugekauft nach jahrelangen Schwierigkeiten, einen Cloud-Vertrieb für die Mittelstandssoftware Business ByDesign auf die Beine zu stellen. Mit Successfactors will SAP nun das Cloud-Geschäft aufrollen – und Geld verdienen. Denn noch verdient dort niemand Geld. Snabe ist optimistisch.

Wir wollen das schaffen, da wir die Skaleneffekte haben. Wir haben eine große Vertriebsmannschaft und die Cloud dazu. Das geht.

Eine weitere Zukunftsschiene sind Datenbanken, bei der SAP mit Eigenentwicklung aufwarten kann.

SAP schaffte aus dem Nichts heraus ein neues Geschäftsfeld und stellt sich der Konkurrenz von Oracle und Microsoft. Dieses Programm hat den besten Start in der Geschichte der SAP hingelegt. Seit dem Startschuss Mitte vergangenen Jahres setzte SAP damit bereits 160 Millionen Euro um. Hana ersetzt bei einigen Kunden bereits den Rivalen Oracle, seit Jahren ein Platzhirsch bei Datenbanken – sehr zur Freude der Walldorfer. Die Datenbanksoftware Hana erlaubt es Unternehmen, enorme Mengen an Daten in einem Bruchteil der bisher benötigten Zeit zu durchforsten. Mit dieser Technik, auf die auch die Konkurrenz aufspringt, hat SAP Experten zufolge einen Vorsprung von einem bis zwei Jahren – in der Technikwelt eine Ewigkeit. Snabe scheut nicht zurück vor großen Worten.

So wie R3 die Landschaft in den Neunziger Jahren revolutioniert hat, wird HANA das heute tun. Vor 40 Jahren wurde SAP gegründet mit der Idee von Echtzeitdaten. Mit Hana wird das Realität. Entwickelt wurde Hana gemeinsam mit der Potsdamer IT-Hochschule Hanno Plattner Institut. Das war kein Zufall. Der SAP-Gründer trieb das Projekt voran wie kein Zweiter. Ohne Amt im operativen Geschäft der SAP hat der größte Einzelaktionär und aktiver Aufsichtsratschef seinem Unternehmen die größte Innovation seit Jahren beschert.